Humor

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EDV life

DAU – Dümmster anzunehmender User
Ich bin fröhlich. So grundsätzlich.
Und eigentlich auch nicht reizbar oder nachtragend.
Es sei denn, das Telefon klingelt wieder wegen irgendeines Users, der mich bei der Arbeit stört.

Wobei „Arbeit“ ein dehnbarer Begriff ist. In unserer neuen Firma besteht sie vor allem aus Cloud, Zero Trust, Multifaktor-Authentifizierung und Präsentationen darüber, warum Cloud, Zero Trust und Multifaktor-Authentifizierung unsere Arbeit erleichtern. Seit der Umstellung benötigt ein Mitarbeiter für die Anmeldung statt eines Passwortes nun ein Passwort, eine PIN, sein Gesicht, sein Handy, einen sechsstelligen Code und gelegentlich die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.
Dafür ist alles sicher. Sagen die Präsentationen.

Punkt acht Uhr stelle ich meinen Tee auf den Schreibtisch. Der muss pünktlich sein. Menschen sind unzuverlässig, Technik ist heimtückisch, aber Tee hat Regeln.

Tili Tili Tili ...
Seit die Telefonanlage in Microsoft Teams steckt, klingelt das Telefon nicht mehr. Es macht „Tili Tili“. Eine Minute nach acht. Eine Frechheit. Ich gehe nach dem neunten Klingeln ran. Der Anrufer soll schließlich merken, dass ich bereits Übermenschliches leiste.

„Guten Morgen. Systemadministration. Was liegt an?“
„Kramer hier. Da sind Sie ja endlich. Mein Internet geht nicht. Gestern ging es noch.“
Oha. Mich stören, keinen Vornamen nennen und bereits im zweiten Satz Vorwürfe erheben.
Das schreit nach individueller Betreuung.
„Haben Sie ein Ticket eröffnet, Herr Kramer?“
„Ein was?“
Natürlich nicht.
„Dann benötige ich wenigstens Ihren Benutzernamen.“
„KramS. Und mein Passwort ist Steffi01.“
„Ihr Passwort möchte ich gar nicht wissen.“
„Wieso nicht? Sie sind doch von der EDV.“
Das ist das Schöne an moderner IT-Sicherheit. Früher musste man Passwörter noch mühsam wegbruteforcen. Heute werden sie einem am Telefon mitgeteilt, obwohl man ausdrücklich darum bittet, es nicht zu tun.
„Ich sehe mir das an und melde mich.“
„Aber schnell. Ich muss arbeiten.“
Klick.
Aufgelegt! Nicht einmal ein „Danke“. Nicht einmal ein „Tschüss“. Nicht einmal eine kleine Entschuldigung dafür, dass sein Internet meinen Tee ruiniert.
Ich prüfe seinen Zugang. Das Problem ist schnell gefunden: Kramer hat den sechsstelligen Bestätigungscode seiner Authenticator-App fünfmal in das Passwortfeld eingegeben. Das System hält ihn nun für einen Angreifer. Ich halte das System für erstaunlich lernfähig.
Der Account wäre mit zwei Klicks wieder freigegeben.
Ich mache einen – der zweite kann warten.
Mein Tee hat inzwischen zu lange gezogen.
Das ist Kramers erstes Vergehen mit messbarem Sachschaden.

Tili Tili Tili ...
„Guten Morgen. EDV. Was gibt's?“
„Bonjour... Catherine Monceau. Isch glaube, isch habe die falsche Präsentation geöffnet.“
Meine Laune bessert sich augenblicklich. Catherine aus der dritten Etage. Schwarze Haare. Braune Augen.
Und ein französischer Akzent, bei dem selbst eine Fehlermeldung romantisch klingt.
„Das ist ja furchtbar. Ich nehme an, es ist dringend?“
„Oh oui... sähr.“
„Wie heißt denn die Datei?“
„Finale Version neu zwei wirklich final.“
„Nur damit ich keine falsche öffne ... gibt es noch andere?“
„Oui... Isch glaube schon.“
„Finale Version. Finale Version neu. Finale Version neu wirklich. Finale Version neu wirklich final.“
„Und... Finale Version neu zwei wirklich final.“
Ich finde sieben Dateien.
Ich versuche es einfach mal mit dem Vornamen.
„Catherine?“
Sie ist sofort am Hörer und gar nicht überrascht.
„Oui?“
„Ich habe die richtige gefunden.“
„Oh! Fantastique!“
„Ihre Präsentation ist wieder am rechten Fleck. Sie sind beim Speicheln... äh, Speichern wohl mit den Versionen durcheinander­gekommen.“
„Ah oui... isch danke Ihnen vielmals.“
Eine kleine Doppeldeutigkeit. Dezent. Elegant. Fast französisch.
„Sie retten mir den Tag.“
„Das höre ich gern.“
„Sie sind immer so freundlich.“
Ich schweige. Manchmal trifft einen so viel Lob unerwartet.
Klick.

Tili Tili Tili ...
„Guten Morgen. EDV. Was darf ich heute verhindern?“
„Karlsoff hier. Mein Drucker druckt nicht.“
Karlsoff aus dem Einkauf. Ein Mann, der grundsätzlich in vollständigen Problembeschreibungen spricht.
„Was genau passiert denn?“
„Nichts.“
Noch vollständiger.
„Leuchtet am Drucker eine Meldung?“
„Wo denn?“
„Vorn, auf dem kleinen Display.“
Sekunden vergehen. Es raschelt.
„Ach da. Ja.“
„Und was steht dort?“
„Papier nachfüllen.“
Nun lasse ich einige Sekunden verstreichen. Nicht aus Ratlosigkeit. Aus Respekt vor dem Moment.
„Haben Sie Papier nachgefüllt?“
„Nein. Ich dachte, das machen Sie.“
Natürlich. Die Systemadministration. Zuständig für Server, Netzwerke, Datensicherheit und das Einlegen von weißem A4-Papier in der dritten Etage.
„Herr Karlsoff, sehen Sie unten am Drucker eine große Schublade?“
„Ja.“
„Ziehen Sie sie bitte heraus.“
Es rumpelt. Dann scheppert etwas.
„Jetzt liegt sie auf dem Boden.“
„Sehr gut. Damit haben wir die Ursache räumlich eingegrenzt.“
„Und jetzt?“
„Papier hineinlegen, Schublade wieder einsetzen und auf die grüne Taste drücken.“
Eine längere Pause. Im Hintergrund höre ich angestrengtes Atmen und die Geräusche eines Mannes, der erstmals direkt mit Bürotechnik konfrontiert wird.
„Jetzt druckt er.“
„Dann war es vermutlich das Papier.“
„Das hätten Sie auch gleich sagen können.“
Klick.
Ich sehe auf meinen Tee. Er sieht zurück.
Wir beide wissen, dass der Tag noch jung ist.

Es wird Zeit für die erste Pause.
Ich leite das Telefon auf die Nebenstelle in der Reinigungsabteilung um.
Dort wird viel zu selten angerufen. Die freuen sich bestimmt.

Tili Tili Tili ...
„Hallo. EDV. Was gibt's?“
„Schulz von der Buchhaltung. Meine Dateien sind weg.“
Interessanter Name, und auch noch adelig.
„Wo genau suchen Sie denn danach?“
„Im Explorer, aber da ist alles durcheinander. Lauter Ordner, mit denen ich nichts anfangen kann. Drei Tage Arbeit, alles weg.“
„Schicken Sie mir bitte mal einen Screenshot von der Ansicht.“
„Von allen Ordnern?“
„Nur von denen, die Sie nichts angehen. Nein – von der Gesamtansicht dieses Serverlaufwerks.“
„Okay, ich versuche es.“
Drei Minuten später kommt der Screenshot per Mail.
Ich schalte mich auf ihren Rechner und suche die zuletzt bearbeiteten Dateien. Ich finde sie im Verzeichnis Privat\Urlaub\Alt\Nicht löschen\Neu. Wieder mal den Ordner verschoben. Sie lernt es nie.
Aber was haben wir denn da noch für ein Verzeichnis? Ach, guck an, eine sorgfältig sortierte Sammlung von Sado-Maso-Bildern.
Frau Schulz. Ausgerechnet. Manche Menschen lernt man erst über ihren Explorer wirklich kennen, hehe.
„So, Frau Schulz von der Buchhaltung. Ihre Dateien habe ich eine geschlagene Minute gesucht und im richtigen Ordner festgebunden. Sie können wieder reinhauen.“
Stille.
„Wie bitte?“
„Die Dateien sind wieder da.“
„Ach so. Danke.“
Klick.
Ob sie es gemerkt hat? Vermutlich nicht.
Manche Pointen sind nur für die Systemadministration bestimmt.

Beim Blick auf die Systemmeldungen fällt mir Rossdörfer aus der Personalabteilung auf.
Ein Mann, der Datenschutzschulungen mit der Ernsthaftigkeit eines päpstlichen Rundschreibens verschickt und seine Zugangs­daten auf einem gelben Zettel unter der Tastatur aufbewahrt.
Auf seinem Rechner liegt eine verdächtige Datei.
Da schreiben wir mal eine Mail. Aber natürlich nicht von mir.
Als Absender nehme ich ANPS – Automatic Network Protection System.
Gibt es zwar nicht. Aber das weiß Rossdörfer ja nicht.

Die ANPS-Software hat einen möglichen Virusbefall im Boot-Mountain-Sektor, Speicherbereich C-F804B101A bis C-F804B101E, Ihres Personalcomputers festgestellt. Trennen Sie unverzüglich Ihre Netzwerkverbindung und wenden Sie sich an die System­admini­stration.

30 Sekunden später klingelt das Telefon.
Tili Tili Tili ...
„Ja bitte?“
„Rossdörfer. Ist da die IT?“
Ich möchte erwidern, nein, die Großküche. Wir verwalten hier nur aus Langeweile 240 Rechner, 38 Notebooks, 61 Smartphones, 24 Drucker und einen Konferenzraum, dessen Technik grundsätzlich nur funktioniert, wenn niemand darin eine Konferenz abhalten möchte. Aber ich gebe mir Mühe.
„Ja.“
„Ich brauche sofort Hilfe.“
„Was ist passiert?“
„Ich habe eine Warnung bekommen. Seitdem sehe ich nur noch dieses Video.“
„Und was sonst noch?“
„Gar nichts, kein Desktop, nichts. Nur das Video.“
„Was für ein Video ist das?“
„Ein Video.“
„Ja, welches Video?“
Stille.
Die gute Stille. Die mit Potenzial.
„Das spielt keine Rolle.“
„Für die Fehleranalyse leider schon.“
„Es ist ein... Schulungsvideo.“
„Zum Thema?“
Noch mehr Stille.
„Mitarbeiterbindung.“
Ich öffne die Fernwartung.
Auf seinem Bildschirm sehe ich mehrere nahezu nackte Menschen, und eine Auslegung des Begriffs Mitarbeiterbindung, die in unseren internen Richtlinien bisher nicht vorgesehen ist.
„Ah. Fortgeschrittene Personalentwicklung.“
„Das ist nicht von mir.“
„Natürlich nicht.“
Der Rossdörfer aus der Personalabteilung. Heißt selbst wie stilles Mineralwasser, hat es aber faustdick hinter den Ohren.
„Das war in einer E-Mail.“
„Von wem?“
„Unbekannt.“
„Wie heißt die Datei?“
„PDF Converter Pro Ultimate pdf.“
Die Datei ist auf seinem Rechner schnell gefunden. Es ist eine ausführbare Datei, die sich als PDF verkleidet hat.
Im Grunde Rossdörfer als Dateiformat.
„Nein. Sie heißt PDF_Converter_Pro_Ultimate.pdf.exe.“
„PDF ist nicht die korrekte Dateiendung. Sie haben eine ausführbare Datei von einem unbekannten Absender geöffnet.“
Wieder Stille am anderen Ende.
„Da stand vertraulich.“
Das ist logisch. Kriminelle würden schließlich niemals lügen.
„Drücken Sie bitte ALT und dann F4.“
„Dann schließt sich das Fenster.“
„Genau das ist der technische Ansatz.“
Das Video verschwindet. Desktop, Symbole und Würde kehren in unterschiedlichem Umfang zurück.
„Da ist wieder alles.“
„Fast alles.“
„Sie löschen das doch jetzt, oder?“
„Die Datei?“
„Ja. Natürlich die Datei.“
„Selbstverständlich. Die Fernwartung protokolliert solche Vorgänge ohnehin nur technisch.“
„Was heißt technisch?“
„Uhrzeit, Benutzername, Dateiname, Bildschirmaktivität. Das Übliche.“
„Sie erzählen das niemandem.“
„Herr Rossdörfer, Diskretion gehört zu meinem Beruf.“
„Gut.“
„Ebenso wie Datensicherung.“
„Hören Sie mal...“
Klick.
Drei Minuten später erscheint eine Nachricht meines Chefs:
Herr Rossdörfer hat gerade angerufen. Was haben Sie ihm erzählt?
Ich tippe zurück: Nur technische Einzelheiten.
Die Antwort kommt sofort: Dann ist ja alles in Ordnung.
Die Retourkutsche fällt kleiner aus als geplant.
Aber effizient.

Da erscheint noch eine Sicherheitsmeldung auf meinem Monitor:
Ungewöhnlich viele Verbindungen ins Internet – Arbeitsplatz Krimschadt.
Interessant.
Ich greife zum Telefon.
„Krimschadt.“ meldet sich.
„Guten Morgen. Die EDV hier. Unser Sicherheitssystem meldet ungewöhnlichen Netzwerkverkehr von Ihrem Rechner.
Darf ich mich kurz aufschalten?“

„Ja... natürlich.“
Ich verbinde mich. Ihr Excel ist minimiert.
Dafür sind sechs Browserfenster geöffnet:
Eventim / Hotel Hamburg / Deutsche Bahn / Sitzplatzreservierung / Bryan-Adams-Fanforum / Bryan Adams Tour 2027.
Ich betrachte entsetzt einige Sekunden lang den Bildschirm.
Kartenbestellung online? Bryan Adams? Igitt, das ist ja schlimmer als Rossdörfers Schweinkram.
„Excel scheint erstaunlich musikalisch geworden zu sein.“
„Das ist nur die Mittagspause.“
Ich sehe auf die Uhr. 10:17 Uhr.
„Sie essen früh.“
„Ich wollte nur kurz nach den Karten schauen.“
Kurz ist bei Eventim ein dehnbarer Begriff.
„Die guten Plätze sind immer sofort weg.“
„Das erklärt die Sicherheitsmeldung.“
„Ist das jetzt schlimm?“
„Für das Netzwerk nicht.“
„Und für mich?“
„Das hängt davon ab, ob Sie Stehplätze mögen.“
Sie schweigt.
Ich prüfe die offenen Verbindungen. Technisch ist alles harmlos.
Menschlich bleibt die Lage unübersichtlich. Da muss ich sofort was tun.
„Einen Moment bitte.“ sage ich.

Bryan Adams? Bääh! Pfui! Das muss unterbunden werden.
Ich schreibe eine Mail an die gesamte Abteilung.
Sonst kommt die noch auf die Idee, über einen anderen PC zu reservieren.

DRINGEND
Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
das RAID-System wird in 60 Sekunden einen Backup-Routine-Test des oberen Kernelbereichs durchführen. Zur Vermeidung von Datenverlust und Beschädigungen an Ihrer Hardware werden sämtliche Arbeitsplätze der Abteilung automatisch vom Netzwerk getrennt. Speichern Sie Ihre Arbeit und schließen Sie alle geöffneten Anwendungen.
Mit freundlichen Grüßen
Die Systemadministration


Zurück ans Telefon.
„Frau Krimschadt, ich bin wieder da.“
„Sie ändern nachher bitte vorsichtshalber noch Ihr Passwort.“

„Warum das denn?“
Ich hole Luft. Ach, besser nicht. Ausatmen und ruhig bleiben.
„Welches verwenden Sie denn?“
„Summer69.“
Ich schließe für einen Moment die Augen.
„Dann ist es seit vier Jahren nicht mehr aktualisiert worden.“
„Können Sie mir ein besseres empfehlen?“
„Nein. Ich möchte nachts schlafen können.“
Klick.

Technisch war an der Maßnahme fast nichts richtig. Ethisch aber alles.
Innerhalb der Zeitspanne melden sich sämtliche Rechner der Abteilung ab.
Auch Krimschadt. Manchmal braucht Datensicherheit eine klare kulturelle Haltung.

Es ist fast Mittagspause, da macht es wieder:
Tili Tili Tili ...
Ja, glauben die Leute etwa, die IT isst und schläft nie? Frechheit.
„Systemadministration.“
„Mahlzeit. Kramer noch einmal.“
Diesmal mit Vornamen im Tonfall, obwohl er weiterhin keinen nennt.
Ich sehe auf die Uhr. Er hat genau noch vier Minuten.
„Entschuldigen Sie bitte die erneute Störung.“
Interessant. Lernfähigkeit ist offenbar nicht auf Systeme beschränkt.
„Was kann ich für Sie tun, Herr Kramer?“
„Mein Zugang ist immer noch gesperrt.“
Das System zeigt seinen Account weiterhin als gesperrt an.
Ein beruhigender Zustand.
„Das sehe ich.“
„Könnten Sie ihn vielleicht freigeben?“
„Natürlich.“
Ich mache den zweiten Klick.
„Jetzt geht es. Vielen Dank.“
„Gern geschehen.“
„Und... entschuldigen Sie den Ton vorhin.“
Ich lehne mich zurück. Das ist unerwartet. Fast beunruhigend.
„Schon vergessen.“
Das ist gelogen. Aber professionell.
Klick.
Mein dritter Tee ist inzwischen wieder kalt. Ich trinke ihn trotzdem.
Man darf nicht jedes Opfer umsonst gewesen sein lassen.

Was sehen meine müden Augen da?
Die Abteilung von dem Bryan-Adams-Fangirl Krimschadt hat meine Mail an die halbe Firma weitergeleitet.
So was Idiotisches. Mal den Mailverteiler checken, wer das alles bekommen hat und online ist.

Oh, Petra Schürer. Die Sekretärin vom zweiten Chef. Irre Beine hat diese Frau, sehr elegant!
Hm, das könnte Ärger geben. Die darf ich nicht kaltstellen.
Nein. Da rufe ich lieber vorher an.

Tipp-tipp-tipp.
„Sekretariat Dr. Brunner. Guten Tag. Mein Name ist Petra Schürer, was kann ich für Sie tun?“
Hm, diese sanfte Stimme. Wie sie das sagt!
„Guten Tag, Frau Schürer. Systemadministration Datenverarbeitung. Ich muss Sie bitten, kurz das System zu verlassen.“
„Oh, warum denn?“
Bekommst du keine Mails, Lady?
„Wir müssen eine inkrementelle Sondersicherung der mittleren Datenbanken fahren.“
„Oh, natürlich. Ich bin sofort raus.“
„Ja, ich danke Ihnen.“
Klick.

Kaum habe ich aufgelegt.
Tili Tili Tili ...
Ein Irrenhaus ist das.
„EDV. Hallo.“
„Schulz nochmal hier.“
„Was ist denn los?“
Ich kann's mir schon denken: Ich komme nicht ins System rein.
„Ich komme nicht ins System rein.“
Glupsch! Sie hat die Mail bekommen und gelesen! Bestimmt!
Ist eben auf dem besten Weg, den schwarzen Gürtel als DAU zu machen.
„Wir haben ne Störung. Versuchen Sie es in einer Stunde nochmal.“
Klick.
Weitere Erklärungen wären reine Zeitverschwendung.

Eine Nachricht meines Chefs erscheint auf dem Bildschirm:
Kommen Sie morgen früh als Erstes bitte kurz in mein Büro.
Keine Begrüßung. Kein Smiley.
So kommuniziert Führung, wenn sie etwas weiß.

Ich öffne vorsichtshalber das Active Directory.
Der Account meines Chefs ist aktiv.
Sein Passwort läuft noch 47 Tage.
Seine Kaffeemaschine steht seit dem letzten Umbau ebenfalls im Netzwerk.
Ich sehe auf die Nachricht.
Dann auf die Kaffeemaschine.
Dann wieder auf die Nachricht.

Man sollte niemals vorschnell reagieren.
Zuerst braucht man einen Plan.
Und frischen Tee.

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