Internationale Spionage
Agenten und Spione des 20. Jahrhunderts
Musterkarte / Erläuterung
| Name (* Geburtsjahr; † Todesjahr) | Deckname / Tarnname | Jahre der Spionage |
| Einsatzland: Hauptland oder Tätigkeitsraum der Spionage | Organisation/Dienst: Eigener Nachrichtendienst und gegebenenfalls der Dienst, für den tatsächlich gearbeitet wurde | |
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Vita:
Kurze Biografie mit den wichtigsten Stationen des Falls.
Einordnung:
Bedeutung, Wirkung, Folgen und Besonderheiten des Falls.
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Spione, Doppelagenten und Kundschafter des 20. Jahrhunderts mit Angaben zu
Decknamen, Einsatzzeit, Einsatzland, Organisation und Vita.
| Ames, Aldrich Hazen (* 1941; † 2026) | „Kolokol“ | 1985–1994 |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: CIA; als Agent für KGB und später SWR | |
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Vita:
Ames war langjähriger Mitarbeiter der CIA und beschäftigte sich unter anderem mit sowjetischen Nachrichtendiensten und deren Mitarbeitern. 1985 bot er der sowjetischen Botschaft in Washington gegen Bezahlung geheime Informationen an. In den folgenden neun Jahren übergab er dem KGB und später dem russischen Auslandsnachrichtendienst zahlreiche Dokumente sowie die Namen westlicher Quellen innerhalb der Sowjetunion. Seine Informationen führten zur Enttarnung zahlreicher Agenten; mindestens zehn Quellen der CIA und des FBI wurden hingerichtet und mehr als 100 nachrichtendienstliche Operationen beeinträchtigt. Sein auffällig kostspieliger Lebensstil trug schließlich zu den Ermittlungen gegen ihn bei. Ames wurde 1994 festgenommen, bekannte sich schuldig und erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Er starb 2026 in Haft.
Einordnung:
Einer der folgenschwersten Fälle von Spionage innerhalb der CIA. Ames verursachte außergewöhnlich hohe personelle und operative Schäden und blieb trotz auffälliger Warnzeichen fast neun Jahre unentdeckt.
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| Blake, George (* 1922; † 2020) | „Diomid“ | 1951–1961 |
| Einsatzland: Vereinigtes Königreich; West-Berlin | Organisation/Dienst: Secret Intelligence Service (MI6); als Doppelagent für MGB und KGB | |
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Vita:
Blake wurde in Rotterdam als Georg Behar geboren und arbeitete während des Zweiten Weltkriegs im niederländischen Widerstand, bevor er 1944 zum britischen Geheimdienst kam. Während des Koreakriegs geriet er 1950 in nordkoreanische Gefangenschaft und bot dem sowjetischen Nachrichtendienst während seiner Haft seine Mitarbeit an. Nach seiner Freilassung kehrte er 1953 zum MI6 zurück und lieferte fortan geheime Informationen an die Sowjetunion. In West-Berlin verriet er unter anderem den geplanten Abhörtunnel der Operation Gold sowie Angaben zu westlichen Agenten und Operationen. 1961 wurde er enttarnt und zu 42 Jahren Haft verurteilt. 1966 floh er aus dem Gefängnis Wormwood Scrubs und gelangte schließlich nach Moskau, wo er bis zu seinem Tod 2020 lebte.
Einordnung:
Einer der schwerwiegendsten Fälle von Doppelspionage innerhalb des britischen Geheimdienstes. Blake verriet zahlreiche Quellen und Operationen; die häufig genannten Zahlen über enttarnte oder getötete Agenten unterscheiden sich jedoch erheblich und sind öffentlich nicht zuverlässig verifizierbar.
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| Brauns, Erich und Margarete | 1956–1965 | |
| Einsatzland: DDR (Ost-Berlin) | Organisation/Dienst: Bundesnachrichtendienst (BND) | |
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Vita:
Das in Ost-Berlin lebende Ehepaar arbeitete für den westdeutschen Bundesnachrichtendienst. Erich Brauns war Ingenieur und Abteilungsleiter beim VEB INEX Industrieanlagen-Export. Über Verwandte in West-Berlin entstand die Verbindung zum BND; ab 1956 lieferte er gegen Bezahlung Informationen über geplante Industrie- und Exportprojekte. Margarete Brauns war an der Agententätigkeit beteiligt, wobei die genaue Aufgabenverteilung zwischen beiden öffentlich nur teilweise nachvollziehbar ist. Vor dem Mauerbau konnten Informationen bei persönlichen Treffen übergeben werden. Danach nutzte das Ehepaar unter anderem Geheimtinte sowie präparierte Briefe und Pakete; Margaretes Mutter wurde dabei offenbar unwissentlich als Kurierin eingesetzt. Im Februar 1965 wurden beide vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet. Erich wurde zu 15 Jahren, Margarete zu acht Jahren Haft verurteilt. Margarete kam nach etwa zwei Jahren frei, Erich wurde nach etwa vier Jahren im Zuge eines Gefangenenaustauschs in die Bundesrepublik überstellt. Er starb 1982.
Einordnung:
Das Ehepaar zählte zu den bedeutenden BND-Quellen in der DDR. Der genaue Umfang der gelieferten Informationen, die Aufgabenteilung zwischen beiden und der tatsächlich entstandene wirtschaftliche Schaden sind öffentlich jedoch nur teilweise verifizierbar. Verlässliche Decknamen ließen sich bislang nicht bestätigen.
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| Broszey, Christel (* 1947; † 2020) | „Christel“ | 1970–1979 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland (Bonn) | Organisation/Dienst: Hauptverwaltung A des MfS (HV A, Abteilung II/1) | |
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Vita:
Broszey arbeitete von 1970 bis 1979 als Sekretärin im CDU-Bundesvorstand und war zeitweise Chefsekretärin von Kurt Biedenkopf. Unter dem Decknamen „Christel“ übermittelte sie der DDR-Auslandsaufklärung interne Unterlagen und Informationen aus dem CDU-Bundesvorstand, dem Parteipräsidium, der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und aus Bundestagsausschüssen. In den Akten werden ihr 224 Informationen zugeordnet; damit gehörte sie in den 1970er-Jahren zu den ergiebigsten Quellen der Hauptverwaltung A innerhalb der Union. Als sich im März 1979 die Ermittlungen gegen mehrere mutmaßliche DDR-Agentinnen im Bonner Politikbetrieb verdichteten, entzog sie sich einer möglichen Festnahme und floh am 12. März 1979 in die DDR.
Einordnung:
Eine besonders bedeutende politische Quelle der DDR-Auslandsaufklärung innerhalb der CDU. Ihr Fall zeigt, welchen nachrichtendienstlichen Wert Sekretärinnen mit Zugang zu internen Papieren, Terminen und Entscheidungsprozessen besitzen konnten. Denn sie war Teil einer größeren Serie damals bekannt gewordener MfS-Fälle unter Sekretärinnen; dazu gehörten auch Inge Goliath, Ursula Höfs, Ingrid Garbe und Ursel Lorenzen.
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| Carney, Jeffrey Martin (* 1963) | „Kid“; Tarnidentität: Jens Karney | 1983–1990 |
| Einsatzland: West-Berlin; USA; DDR (Ost-Berlin) | Organisation/Dienst: U.S. Air Force; als Agent für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) | |
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Vita:
Carney trat 1980 in die U.S. Air Force ein und arbeitete als deutschsprachiger Nachrichtendienstspezialist in West-Berlin. 1983 ging er am Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin und bot der DDR seine Mitarbeit an. Das MfS schickte ihn an seinen Posten zurück, wo er geheime Unterlagen kopierte und übergab. Nach seiner Versetzung nach Texas setzte er die Spionage fort. 1985 desertierte er und gelangte über Mexiko, Kuba und Prag in die DDR. Dort lebte er unter dem Namen Jens Karney und wertete für das MfS abgefangene militärische und diplomatische Kommunikation aus. Zudem erstellte er Einschätzungen zu amerikanischen Zielpersonen und möglichen Anwerbungsansätzen. 1991 wurde er in Berlin von Ermittlern der US Air Force festgenommen und in die USA gebracht. Er bekannte sich der Spionage, Verschwörung und Desertion schuldig, wurde zu 38 Jahren Haft verurteilt und 2002 nach rund elf Jahren entlassen.
Einordnung:
Einer der schwerwiegendsten Spionagefälle innerhalb der U.S. Air Force im Kalten Krieg. Carney lieferte mehr als 100 geheime Dokumente und arbeitete nach seiner Flucht in die DDR weiterhin unmittelbar für das MfS. Der genaue nachrichtendienstliche Schaden ist öffentlich nicht zuverlässig bezifferbar.
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| Clark, James Michael (* 1948) | „Jack“ | 1976–1989 |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: US Army (zivil); Agent des MfS (HV A, Abteilung XI/1) | |
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Vita:
Clark wurde 1976 von seinem Freund Kurt Stand für die DDR-Auslandsaufklärung angeworben. Beide kannten sich aus einer kommunistischen Jugendorganisation an der University of Wisconsin. Unter dem Decknamen „Jack“ beschaffte Clark geheime Unterlagen unter anderem zur amerikanischen Militär- und Sicherheitspolitik, zur sowjetischen Führung sowie zu chemischen Waffen. Er arbeitete zeitweise für einen Rüstungsauftragnehmer, später als Privatdetektiv und ziviler Mitarbeiter der US Army und verfügte dabei über eine Sicherheitsfreigabe. Die HV A erfasste zwischen 1978 und 1985 insgesamt 48 von ihm gelieferte Informationen, überwiegend Dokumente; ein großer Teil wurde auch dem KGB zugänglich gemacht. Nach dem Ende der DDR versuchte Clark weiterhin, Kontakte zu ausländischen Nachrichtendiensten herzustellen. 1997 wurde er gemeinsam mit Kurt Stand und Theresa Squillacote festgenommen. Er bekannte sich 1998 der Verschwörung zur Spionage schuldig, sagte gegen die beiden Mitangeklagten aus und wurde zu zwölf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt.
Einordnung:
Ein langjähriger, überwiegend ideologisch motivierter Agent mit Zugang zu geheimen US-Unterlagen. Die HV A bewertete den Großteil seiner Lieferungen nur als durchschnittlich; einzelne Dokumente galten jedoch als wertvoll. Seine besondere Bedeutung lag außerdem in der Verbindung zum Agentennetz um Kurt Stand und Theresa Squillacote. Siehe auch: Kurt Stand und Theresa Squillacote.
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| Clemens, Johannes „Hans“ (* 1902; † 1976) | „Hofmann“ (Dienstname) | 1950–1961 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: Organisation Gehlen/BND; als Agent für den KGB | |
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Vita:
Clemens war während der NS-Zeit Angehöriger des Sicherheitsdienstes der SS und des Reichssicherheitshauptamtes. Anfang 1950 verpflichtete er sich gegenüber dem sowjetischen Nachrichtendienst zur Mitarbeit und erhielt den Auftrag, in die Organisation Gehlen einzudringen. 1951 wurde er dort eingestellt und später vom Bundesnachrichtendienst übernommen. Clemens beschaffte Unterlagen, unterhielt Verbindungen zu seinen sowjetischen Führungsoffizieren und übermittelte auch Nachrichten und Aufträge für Heinz Felfe. Er war wesentlich daran beteiligt, Felfe sowohl für die Organisation Gehlen als auch für die sowjetische Seite zu gewinnen. Am 6. November 1961 wurden Clemens und Felfe festgenommen. 1963 wurde Clemens wegen Landesverrats zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt; 1968 kam er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig frei.
Einordnung:
Eine zentrale Figur der sowjetischen Unterwanderung von Organisation Gehlen und BND. Clemens war zwar weniger hochrangig als Heinz Felfe, spielte aber als Anwerber, Verbindungsmann und Nachrichtenübermittler eine entscheidende Rolle. Welcher Anteil des insgesamt verursachten Schadens unmittelbar auf Clemens zurückging, lässt sich öffentlich kaum von Felfes Tätigkeit trennen. Siehe auch: Heinz Felfe.
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| Felfe, Heinz (* 1918; † 2008) | „Paul“, später „Konrad“; Dienstname: Hans Friesen | 1951–1961 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: Organisation Gehlen/BND; als Agent für den KGB | |
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Vita:
Felfe hatte während der NS-Zeit dem Sicherheitsdienst der SS angehört und arbeitete nach dem Krieg zeitweise für den britischen Geheimdienst. Über seinen früheren Kollegen Hans Clemens nahm er 1951 Kontakt zum sowjetischen Nachrichtendienst auf und verpflichtete sich zur Zusammenarbeit. Wenige Wochen später wurde er Mitarbeiter der Organisation Gehlen, die 1956 im Bundesnachrichtendienst aufging. Dort arbeitete Felfe ausgerechnet im Bereich der Gegenspionage gegen die Sowjetunion und erhielt Zugang zu zahlreichen westlichen Quellen, Operationen und internen Erkenntnissen. Über Jahre leitete er geheime Unterlagen und Informationen an den KGB weiter und konnte zugleich sowjetische Operationen vor westlichen Ermittlungen schützen. Im November 1961 wurde er festgenommen und 1963 wegen Landesverrats zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1969 wurde er in die DDR ausgetauscht, wo er später an der Humboldt-Universität lehrte und seine Erinnerungen veröffentlichte.
Einordnung:
Der erste große Verratsfall des BND und eine der schwerwiegendsten sowjetischen Unterwanderungen eines westlichen Nachrichtendienstes. Felfe saß unmittelbar in der Abwehr gegen den Dienst, für den er tatsächlich arbeitete. Der verursachte Schaden war enorm; genaue Zahlen zu verratenen Vorgängen und enttarnten Quellen unterscheiden sich jedoch je nach Auswertung.
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| Fischer, William Genrichowitsch (* 1903; † 1971) | Rudolf Iwanowitsch Abel; „Mark“; Emil R. Goldfus | 1948–1957 |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: Sowjetischer Auslandsnachrichtendienst | |
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Vita:
Der unter dem Namen Rudolf Abel bekannt gewordene Agent hieß tatsächlich William August Fisher, in russischer Namensform Wiljam Genrichowitsch Fischer. Er reiste 1948 über Kanada illegal in die USA ein und lebte in New York als Fotograf und Künstler. Unter dem operativen Decknamen „Mark“ führte er dort ein sowjetisches Agentennetz und sollte unter anderem Informationen über die Atomforschung, die Vereinten Nationen und militärische Einrichtungen beschaffen. Nach dem Überlaufen seines Mitarbeiters Reino Häyhänen wurde er 1957 festgenommen und wegen Spionage verurteilt. 1962 wurde er gegen den amerikanischen U-2-Piloten Francis Gary Powers ausgetauscht.
Einordnung:
Historisch bedeutend und aufgrund seiner langjährigen unentdeckten Tätigkeit operativ erfolgreich. Der konkrete Umfang der von ihm beschafften Informationen ist öffentlich nur begrenzt nachvollziehbar.
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| Fuchs, Klaus (* 1911; † 1988) | „Rest“; auch „Charles“ | 1941–1949 |
| Einsatzland: Vereinigtes Königreich; USA | Organisation/Dienst: Tube Alloys/Manhattan Project; als Agent für sowjetische Nachrichtendienste | |
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Vita:
Fuchs floh 1933 aus Deutschland nach Großbritannien und arbeitete ab 1941 am britischen Atomwaffenprogramm Tube Alloys. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion bot er sowjetischen Nachrichtendiensten geheime Informationen über die Atomforschung an. 1943 wurde er als Mitglied des britischen Wissenschaftlerteams in die USA entsandt und arbeitete anschließend am Manhattan Project in Los Alamos. Dort hatte er Zugang zu wesentlichen technischen Grundlagen der Atombombenentwicklung und gab zahlreiche Informationen an sowjetische Kontaktleute weiter. Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien arbeitete er ab 1946 im Atomforschungszentrum Harwell und setzte seine Spionagetätigkeit fort. Durch die Entschlüsselung sowjetischer Funksprüche im Rahmen des VENONA-Projekts geriet Fuchs schließlich unter Verdacht. Anfang 1950 gestand er seine Tätigkeit. Er wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt, 1959 vorzeitig entlassen und übersiedelte anschließend in die DDR, wo er seine wissenschaftliche Karriere fortsetzte. Er starb 1988.
Einordnung:
Eine der wichtigsten Quellen der sowjetischen Atomspionage. Fuchs lieferte detaillierte Erkenntnisse aus dem britischen und amerikanischen Atomwaffenprogramm und trug damit wesentlich zur Beschleunigung des sowjetischen Atombombenprogramms bei. Der genaue zeitliche Vorteil lässt sich jedoch nicht eindeutig beziffern.
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| Gast, Gabriele (* 1943) | „Gisela“; BND-Arbeitsname: Dr. Gabriele Leinfelder | 1968–1990 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland (Pullach) | Organisation/Dienst: BND; als Agentin der HV A des MfS | |
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Vita:
Gast wurde 1968 während einer Recherchereise für ihre Dissertation in die DDR von der Hauptverwaltung A angeworben. Dabei spielte eine Liebesbeziehung zu einem als „Romeo“ eingesetzten Stasi-Offizier eine wesentliche Rolle. 1973 trat sie in den Bundesnachrichtendienst ein und arbeitete dort unter anderem im Sowjetunion-Referat. Im Laufe ihrer Karriere stieg sie bis zur Regierungsdirektorin auf und lieferte der DDR-Auslandsaufklärung über viele Jahre interne Analysen, Unterlagen und Erkenntnisse des BND. Neben dem Decknamen „Gisela“ taucht sie in Unterlagen der HV A auch unter den Bezeichnungen „Gerald“ und „Reinhard“ auf. 1990 wurde sie nach Aussagen eines ehemaligen HV-A-Offiziers enttarnt und festgenommen. 1991 wurde sie zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt; 1994 kam sie vorzeitig auf Bewährung frei.
Einordnung:
Eine der bedeutendsten Quellen der DDR-Auslandsaufklärung im Bundesnachrichtendienst. Das MfS führte Gast als Spitzenquelle; durch ihre Tätigkeit in der BND-Auswertung verfügte sie über weitreichenden Einblick in westdeutsche Erkenntnisse über die Sowjetunion und den Warschauer Pakt.
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| Gordijewski, Oleg Antonowitsch (* 1938; † 2025) | „Sunbeam“, später „Nocton“ | 1974–1985 |
| Einsatzland: Dänemark; Vereinigtes Königreich | Organisation/Dienst: KGB; als Doppelagent für den MI6 | |
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Vita:
Gordijewski war Offizier des sowjetischen KGB und entwickelte nach dem Bau der Berliner Mauer und besonders nach der Niederschlagung des Prager Frühlings zunehmende Zweifel am sowjetischen System. Während seiner zweiten Stationierung in Kopenhagen begann er 1974 für den britischen MI6 zu arbeiten. 1982 wurde er nach London versetzt und stieg dort bis zum designierten Leiter der KGB-Residentur auf. Er lieferte dem MI6 umfangreiche Informationen über Strukturen, Personal und Operationen des KGB sowie über die starke sowjetische Furcht vor einem westlichen nuklearen Überraschungsangriff. Besonders wichtig waren seine Erkenntnisse zur Operation RYAN und zur sowjetischen Wahrnehmung des NATO-Manövers Able Archer 83. 1985 wurde er unter Verdacht nach Moskau zurückgerufen. Nachdem sich seine Lage zuspitzte, aktivierte er einen vorbereiteten Fluchtplan und wurde vom MI6 über Finnland aus der Sowjetunion ausgeschleust. Nach seiner Flucht trugen seine Angaben unter anderem zur Identifizierung zahlreicher sowjetischer Nachrichtendienstoffiziere bei. Er lebte anschließend in Großbritannien und starb dort 2025.
Einordnung:
Eine der wertvollsten westlichen Quellen innerhalb des KGB. Gordijewski verschaffte dem MI6 außergewöhnlich tiefe Einblicke in sowjetische Nachrichtendienststrukturen und in die Wahrnehmung der westlichen Nuklearstrategie durch die sowjetische Führung. Er war über längere Zeit die wichtigste westliche Quelle zur Operation RYAN. Die Behauptung, Gordijewski habe einen Atomkrieg verhindert, ist historisch nicht eindeutig belegbar.
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| Guillaume, Günter (* 1927; † 1995) | „Hansen“ | ca. 1950–1974 |
| Einsatzland: BRD (Frankfurt am Main; Bonn) | Organisation/Dienst: MfS (HV A); Offizier im besonderen Einsatz | |
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Vita:
Guillaume wurde in den 1950er-Jahren vom Ministerium für Staatssicherheit angeworben und ausgebildet. Bereits vor seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik führte er Spionageaufträge im Westen aus; 1954 wurde er unter dem Decknamen „Hansen“ bei der HV A registriert. 1956 übersiedelte er gemeinsam mit seiner ebenfalls für das MfS arbeitenden Ehefrau Christel nach Frankfurt am Main. 1957 trat er in die SPD ein und machte dort zunehmend Karriere. 1970 wechselte er ins Bundeskanzleramt, 1972 wurde er persönlicher Referent von Bundeskanzler Willy Brandt und erhielt dadurch Zugang zu internen politischen Informationen und zum engeren Umfeld des Kanzlers. Am 24. April 1974 wurde Guillaume festgenommen. 1975 wurde er wegen Landesverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt und 1981 im Rahmen eines Agentenaustauschs in die DDR entlassen. Er starb 1995 in Berlin.
Einordnung:
Nachrichtendienstlich keine herausragende Spitzenquelle, politisch jedoch einer der folgenreichsten Spionagefälle der Bundesrepublik. Seine Enttarnung löste die Guillaume-Affäre aus und war ein wesentlicher Anlass für Willy Brandts Rücktritt im Mai 1974.
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| Hall, James W. III (* ca. 1957/58) | „Paul“ | 1982–1988 |
| Einsatzland: West-Berlin; Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: U.S. Army; als Agent für HV A und KGB | |
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Vita:
Hall war Nachrichtendienstspezialist der U.S. Army und arbeitete ab 1982 an der Field Station Berlin auf dem Teufelsberg, einem der wichtigsten amerikanischen Stützpunkte für Fernmelde- und elektronische Aufklärung. Ende 1981 hatte er sich zunächst selbst dem KGB angeboten; ab 1982 begann er geheime Unterlagen weiterzugeben und arbeitete anschließend unter dem Decknamen „Paul“ auch für die DDR-Auslandsaufklärung. Hall lieferte umfangreiches Material über amerikanische Abhörtechnik, Aufklärungsziele und militärische Planungen, darunter Informationen zu hochsensiblen SIGINT-Programmen. Zu seinen wichtigsten Lieferungen gehörte die National SIGINT Requirements List, die detaillierte amerikanische Aufklärungsziele aufführte. Insgesamt gelangten mehr als 13.000 Seiten von ihm kopierter Geheimunterlagen in die Bestände des MfS. 1988 führten Hinweise eines DDR-Überläufers auf Hall; im Dezember wurde er in den USA festgenommen. 1989 wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt und unehrenhaft aus der Army entlassen. Nach 22 Jahren Haft kam er 2011 frei.
Einordnung:
Eine der wertvollsten Quellen der DDR-Auslandsaufklärung innerhalb der amerikanischen Fernmeldeaufklärung. Hall verschaffte der HV A und zeitweise auch dem KGB tiefe Einblicke in Ziele, Methoden und technische Fähigkeiten der westlichen Aufklärung. Das genaue finanzielle und operative Ausmaß des verursachten Schadens ist nicht zuverlässig bezifferbar. Im Zusammenhang mit Hall: Hüseyin Yıldırım („Blitz“).
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| Hanssen, Robert Philip (* 1944; † 2023) | „Ramon Garcia“ | 1979–2001 (mit Unterbrechungen) |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: FBI; als Agent für GRU, KGB und später SWR | |
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Vita:
Hanssen trat 1976 als Special Agent in das FBI ein und arbeitete über viele Jahre in sensiblen Bereichen der Gegenspionage. 1979 begann er zunächst für den sowjetischen Militärnachrichtendienst GRU zu spionieren, brach diese Tätigkeit 1981 jedoch vorübergehend ab. 1985 bot er sich dem KGB an und lieferte unter dem Namen „Ramon Garcia“ hoch geheime Informationen über amerikanische Quellen, Gegenspionageverfahren und technische Operationen. Unter anderem verriet er zwei sowjetische Doppelagenten, die nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion hingerichtet wurden. Nach einer weiteren Unterbrechung nahm Hanssen 1999 erneut Kontakt zum russischen Nachrichtendienst auf. Über tote Briefkästen und verschlüsselte Nachrichten übergab er bis 2001 geheime Unterlagen und erhielt dafür insgesamt mehr als 1,4 Millionen Dollar in Geld, Bankguthaben und Diamanten. Am 18. Februar 2001 wurde er nach der Ablage eines Pakets an einem toten Briefkasten vom FBI festgenommen. 2002 wurde er zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Er starb 2023 im Gefängnis.
Einordnung:
Der schwerwiegendste Spionagefall in der Geschichte des FBI. Hanssens Zugang zur amerikanischen Gegenspionage ermöglichte ihm über Jahre die Weitergabe besonders sensibler Quellen, Methoden und Operationen. Der vollständige nachrichtendienstliche Schaden lässt sich bis heute nicht exakt beziffern.
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| John, Otto (* 1909; † 1997) | 1954–1955 (umstritten) | |
| Einsatzland: DDR; Sowjetunion | Organisation/Dienst: Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) | |
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Vita:
John gehörte zum Umfeld des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und floh nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 nach Großbritannien. Ab 1950 leitete er das neu gegründete Bundesamt für Verfassungsschutz und wurde 1952 dessen erster Präsident. Am 20. Juli 1954 gelangte er unter bis heute umstrittenen Umständen nach Ost-Berlin. Dort trat er öffentlich auf, kritisierte die politische Entwicklung der Bundesrepublik und wurde sowohl vom MfS als auch vom sowjetischen Nachrichtendienst intensiv befragt. John behauptete später, betäubt und entführt worden zu sein; neuere historische Untersuchungen gehen eher davon aus, dass er zunächst freiwillig zu politischen Gesprächen in die DDR ging, anschließend jedoch von den östlichen Geheimdiensten festgehalten und instrumentalisiert wurde. Im Dezember 1955 gelangte er zurück nach West-Berlin. 1956 wurde er wegen Landesverrats zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und 1958 vorzeitig entlassen. Bis zu seinem Tod kämpfte er erfolglos um seine Rehabilitierung.
Einordnung:
John ist ein bis heute umstrittener Grenzfall. Ob er Überläufer, Geheimdienstopfer oder Doppelagent war, ist historisch nicht eindeutig geklärt – weder das eine noch das andere lässt sich zweifelsfrei belegen.
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| Keckert, Alfred | mind. ab 1956 | |
| Einsatzland: West-Berlin; DDR | Organisation/Dienst: Bundesnachrichtendienst (BND) | |
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Vita:
Keckert lebte in West-Berlin und war als V-Mann für den BND tätig. Als Schwager der Familie Brauns unterhielt er enge Kontakte zu den in Ost-Berlin lebenden Erich und Margarete Brauns. Ab 1956 fragte er Erich Brauns regelmäßig nach geplanten Projekten bei dessen Arbeitgeber VEB INEX Industrieanlagen-Export und wurde damit zu einer wichtigen Verbindung zwischen dem Ehepaar und dem BND. Vor dem Bau der Berliner Mauer konnten Informationen bei persönlichen Familientreffen in West-Berlin übergeben werden. Über Keckerts weitere Tätigkeit, einen möglichen Decknamen sowie seine Lebensdaten sind öffentlich nur wenige verlässliche Angaben verfügbar.
Einordnung:
Vor allem als Anwerber und Verbindungsmann des BND zur Familie Brauns von Bedeutung. Seine eigene nachrichtendienstliche Tätigkeit ist öffentlich deutlich schlechter dokumentiert als die des Ehepaars Brauns.
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| Kuron, Klaus Eduard (* 1936; † 2020) | „Berger“, später „Stern“ | 1981–1990 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: BfV; als Agent der HV A des MfS | |
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Vita:
Kuron arbeitete seit 1962 beim Bundesamt für Verfassungsschutz und war dort in der Spionageabwehr tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Führung von Doppelagenten, die mit Wissen des BfV weiterhin Kontakte zum MfS unterhielten. 1981 bot er sich aus finanziellen Motiven selbst der DDR-Auslandsaufklärung an; 1982 begann die intensive Zusammenarbeit mit der HV A. Kuron verriet interne Strukturen, Operationen und Quellen des Verfassungsschutzes sowie Personen, die als sogenannte Countermen für das BfV arbeiteten. Nach dem Überlaufen seines Vorgesetzten Hansjoachim Tiedge 1985 nutzte die HV A dessen Fall, um Kuron zusätzlich zu schützen und einen Teil seiner Informationen Tiedge zuzuschreiben. Kuron arbeitete unter den Decknamen „Berger“ und später „Stern“ weiter; in den Akten erscheint außerdem die Bezeichnung „Bernhard“. Im Oktober 1990 stellte er sich dem Verfassungsschutz und wurde festgenommen. 1992 wurde er wegen schweren Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt; insgesamt hatte er für seine Tätigkeit annähernd 700.000 D-Mark erhalten. 1998 wurde er vorzeitig auf Bewährung entlassen.
Einordnung:
Einer der schwerwiegendsten Maulwurffälle im Bundesamt für Verfassungsschutz. Besonders brisant war, dass Kuron selbst in der Spionageabwehr arbeitete und dadurch Kenntnis von westdeutschen Quellen und laufenden Operationen hatte.
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| Kurras, Karl-Heinz (* 1927; † 2014) | „Otto Bohl“ | 1955–1967 |
| Einsatzland: West-Berlin | Organisation/Dienst: West-Berliner Polizei; als Agent für das MfS | |
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Vita:
Kurras arbeitete als Polizeibeamter in West-Berlin und bot sich 1955 selbst dem Ministerium für Staatssicherheit an. Ursprünglich wollte er in die DDR übersiedeln und zur Volkspolizei wechseln, wurde vom MfS jedoch überzeugt, im Westen zu bleiben und dort unter dem Decknamen „Otto Bohl“ Informationen zu liefern. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zu einer besonders wertvollen Quelle innerhalb der West-Berliner Polizei. 1965 gelangte er in den Staatsschutz und erhielt dadurch Zugang zu Ermittlungen gegen das MfS, internen Unterlagen und Erkenntnissen der Spionageabwehr. Seit 1964 war er außerdem heimlich Mitglied der SED. Am 2. Juni 1967 erschoss Kurras während einer Demonstration in West-Berlin den Studenten Benno Ohnesorg.
Das MfS reagierte überrascht und brach die Verbindung offenbar vor allem deshalb ab, weil Kurras durch die politisch hochbrisante Tat öffentlich exponiert und damit als geheime Quelle zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko geworden war. Seine Tätigkeit für die Staatssicherheit blieb bis zur Entdeckung der entsprechenden Akten im Jahr 2009 unbekannt.
Einordnung:
Eine der wertvollsten MfS-Quellen innerhalb der West-Berliner Polizei. Historisch besonders brisant ist seine Rolle als Todesschütze Benno Ohnesorgs; ein Zusammenhang zwischen dem MfS und dem tödlichen Schuss ist jedoch nicht belegt.
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| Lutze, Lothar-Erwin (* 1940; † 2021) | „Charly“ (III) | ca. 1960–1976 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland (Bonn) | Organisation/Dienst: Bundeswehr/BMVg; als Agent der HV A des MfS | |
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Vita:
Lutze wurde während seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr Anfang der 1960er-Jahre von der DDR-Auslandsaufklärung angeworben. 1972 warb er auch seine spätere Ehefrau Renate für die HV A an. 1973 erhielt er eine Stelle im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn und bekam dort zunehmend Zugang zu geheimen und NATO-klassifizierten Unterlagen. Gemeinsam mit seiner Frau und Jürgen Wiegel bildete er einen Spionagering, der dem MfS umfangreiche militärische Informationen lieferte. Dazu gehörten unter anderem Unterlagen über Rüstungsvorhaben, Mobilmachung und militärische Planungen. Im Juni 1976 wurden Lutze, seine Frau und Wiegel festgenommen. Lutze wurde 1979 wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 1987 im Rahmen eines Agentenaustauschs in die DDR entlassen. Er starb 2021.
Einordnung:
Eine besonders bedeutende MfS-Quelle im Umfeld des Bundesverteidigungsministeriums. Der von Lutze und seinem Agentenring verursachte militärische Schaden wurde seinerzeit als außergewöhnlich schwerwiegend eingeschätzt; eine genaue Trennung seines persönlichen Anteils von den Lieferungen Renate Lutzes und Jürgen Wiegels ist jedoch kaum möglich.
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| Mauss, Werner (* 1940) | „Claus Möllner“; weitere Tarnidentitäten | 1960er–1990er Jahre |
| Einsatzland: BRD; international | Organisation/Dienst: Privatagent/Vertrauensperson; u. a. für BKA und BND | |
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Vita:
Mauss arbeitete seit den 1960er-Jahren unter zahlreichen Tarnidentitäten, darunter „Dieter Koch“ und „Richard Nelson“, als verdeckter Ermittler und Vertrauensmann. Im Umfeld des Bundeskriminalamts wurde Mauss zeitweise als „Institution M“ bezeichnet. Für das Bundeskriminalamt war er bis 1979 in Fällen schwerer Kriminalität und terroristischer Gewaltkriminalität tätig. Im selben Jahr schloss der Bundesnachrichtendienst mit Werner und Ida Mauss einen Vertrag zur Beschaffung von Informationen über den internationalen Terrorismus. Darüber hinaus übernahm Mauss verdeckte Aufträge für Unternehmen und andere Auftraggeber. In den 1990er-Jahren war er in Kolumbien unter anderem in Kontakte und Verhandlungen mit der Guerillaorganisation ELN sowie in Bemühungen um Geiselbefreiungen eingebunden. Deutsche Behörden statteten ihn und seine Familie zeitweise mit Papieren auf Tarnnamen aus. Nach Angaben der Bundesregierung war Mauss seit dem Jahr 2000 nicht mehr für Bundesbehörden tätig.
Einordnung:
Ein Sonderfall innerhalb dieser Übersicht: Mauss war kein klassischer Auslandsagent oder Doppelagent, sondern ein privat operierender verdeckter Ermittler und Vertrauensmann mit ungewöhnlich engen Verbindungen zu staatlichen Sicherheitsbehörden. Zahlreiche Einzelheiten seiner Einsätze und Tarnidentitäten sind bis heute nicht öffentlich geklärt.
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| Ohnesorge, Bernd Ingo Alexander (* 1944; † 1987) | „Urban“ | 1966; 1983–1984 |
| Einsatzland: West-Berlin; Bulgarien | Organisation/Dienst: MfS; später CIA | |
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Vita:
Ohnesorge wollte ursprünglich in die DDR übersiedeln, wurde jedoch 1966 vom MfS angeworben und unter dem Decknamen „Urban“ als Agent in West-Berlin eingesetzt. Er arbeitete am Flughafen Tempelhof, lieferte jedoch Berichte von geringer Qualität und offenbarte seine MfS-Tätigkeit noch im selben Jahr dem britischen Geheimdienst. Dieser lehnte sein Angebot zur Zusammenarbeit ab und informierte die West-Berliner Polizei. Die Ermittlungen gegen Ohnesorge führte ausgerechnet der MfS-Agent Karl-Heinz Kurras, der ihn gegenüber der Staatssicherheit als Überläufer enttarnte. Jahre später gab sich Ohnesorge als promovierter Gerichtsmediziner aus und wurde 1983 von der CIA für einen Einsatz in Bulgarien angeworben. Dort sollte er Kontakte zu Personen mit Zugang zum bulgarischen Verteidigungsapparat aufbauen. Bei seiner zweiten Reise nach Sofia wurde er 1984 festgenommen. Der bulgarische Geheimdienst erkundigte sich beim MfS nach ihm und stieß dabei auf die früheren Informationen über seinen Seitenwechsel. 1985 wurde Ohnesorge in einem geheimen Militärprozess zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1987 starb er in bulgarischer Haft an den Folgen einer Selbstverbrennung.
Einordnung:
Ein ungewöhnlicher Agentenfall mit mehreren Seitenwechseln und begrenztem nachrichtendienstlichem Erfolg. Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zu Karl-Heinz Kurras: Dessen Verrat von Ohnesorges Überlaufen wurde fast zwei Jahrzehnte später offenbar erneut relevant, als die bulgarischen Behörden seine Vergangenheit überprüften. Siehe auch: Karl-Heinz Kurras.
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| Penkowski, Oleg Wladimirowitsch (* 1919; † 1963) | „Hero“ (CIA); „Yoga“ (MI6) | 1961–1962 |
| Einsatzland: Sowjetunion | Organisation/Dienst: GRU; als Agent für CIA und MI6 | |
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Vita:
Penkowski war Oberst des sowjetischen Militärnachrichtendienstes GRU und verfügte über weitreichende Kontakte in militärische und politische Führungskreise. Nachdem er bereits 1960 versucht hatte, dem Westen seine Mitarbeit anzubieten, wurde er ab 1961 gemeinsam von CIA und MI6 geführt. Bei Treffen im Ausland und über Kuriere übergab er umfangreiche geheime Unterlagen über sowjetische Streitkräfte, Raketentechnik und militärische Planungen. Besonders wertvoll waren seine Informationen über Aufbau, Reichweite und Einsatzbereitschaft sowjetischer Raketensysteme. Während der Kubakrise 1962 half dieses Material westlichen Analysten, Luftaufnahmen der auf Kuba stationierten Raketen einzuordnen und die tatsächlichen sowjetischen Fähigkeiten besser einzuschätzen. Im Oktober 1962 wurde Penkowski vom KGB festgenommen. Nach einem öffentlichen Prozess wurde er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 16. Mai 1963 in Moskau hingerichtet.
Einordnung:
Eine der wertvollsten westlichen Quellen innerhalb des sowjetischen Militär- und Geheimdienstapparates. Penkowskis Informationen ermöglichten außergewöhnlich genaue Einblicke in die sowjetischen Raketenstreitkräfte und waren während der Kubakrise von erheblicher Bedeutung. Die häufige Darstellung, er habe allein eine nukleare Eskalation verhindert, geht jedoch über das historisch Belegbare hinaus.
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| Poljakow, Dmitri Fjodorowitsch (* 1921; † 1988) | „Tophat“ (FBI); „Bourbon“ und „Roam“ (CIA) | 1961–1980 |
| Einsatzland: USA; Sowjetunion; Burma; Indien | Organisation/Dienst: GRU; als Agent für FBI und CIA | |
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Vita:
Poljakow war Offizier und später Generalmajor des sowjetischen Militärnachrichtendienstes GRU. Während einer Stationierung in New York bot er 1961 dem FBI seine Mitarbeit an und wurde später von der CIA geführt. Über fast zwei Jahrzehnte lieferte er umfangreiche Informationen über sowjetische Militärplanung, Nachrichtendienststrukturen, Agenten und Waffentechnik. Unter anderem verriet er amerikanische Militärangehörige, die für die Sowjetunion spionierten, berichtete über die zunehmenden Spannungen zwischen China und der Sowjetunion und übergab technische Daten zu sowjetischen Waffensystemen. Trotz seines hohen Ranges setzte Poljakow seine Tätigkeit auch während späterer Einsätze in Burma, Indien und Moskau fort. 1980 beendete er seine aktive Tätigkeit für die GRU. 1986 wurde er vom KGB verhaftet, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und 1988 erschossen.
Einordnung:
Eine der wertvollsten amerikanischen Quellen innerhalb des sowjetischen Militärnachrichtendienstes. Durch seinen hohen Rang und seine jahrzehntelange Tätigkeit verschaffte Poljakow den USA außergewöhnlich tiefe Einblicke in die GRU, die sowjetischen Streitkräfte und deren weltweite Operationen. Seine Enttarnung wird mit Verrat aus den Reihen der amerikanischen Nachrichtendienste in Verbindung gebracht; die genaue Verantwortlichkeit ist jedoch nicht zweifelsfrei geklärt. Siehe auch: Aldrich Ames und Robert Hanssen, die möglicherweise an seiner Enttarnung beteiligt waren.
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| Porst, Hannsheinz (* 1922; † 2010) | „Optik“ | 1955–1967 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland (Nürnberg) | Organisation/Dienst: HV A des MfS | |
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Vita:
Porst war Unternehmer und Inhaber der bundesweit bekannten Fotohandelskette Photo Porst. Bereits in den frühen 1950er-Jahren kam er über einen Verwandten mit der DDR-Auslandsaufklärung in Kontakt; ab 1955 wurde er von HV-A-Chef Markus Wolf persönlich geführt. Im selben Jahr trat Porst in Absprache mit dem MfS der FDP bei und unterstützte die Partei auch finanziell. Unter dem Decknamen „Optik“ nutzte er seine politischen Kontakte, insbesondere zum späteren FDP-Vorsitzenden Erich Mende, um Informationen und interne Unterlagen aus dem Umfeld der Partei an die DDR weiterzugeben. Porst verstand sich selbst weniger als Spion denn als Vermittler zwischen beiden deutschen Staaten und bestritt später, echte Staatsgeheimnisse verraten zu haben. 1967 wurde er verhaftet und 1969 wegen landesverräterischer Beziehungen zur DDR zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. 1970 wurde er vorzeitig entlassen.
Einordnung:
Ein ungewöhnlicher Fall zwischen politischer Überzeugung, persönlicher Nähe zur DDR-Führung und klassischer Agententätigkeit. Porsts besonderer Wert für die HV A lag weniger im Zugang zu militärischen Geheimnissen als in seinen engen Kontakten zur FDP-Spitze und zu internen politischen Entscheidungsprozessen.
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| Rotsch, Manfred (* 1924) | „Emil“ | ca. 1954–1984 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: MBB; Agent des KGB | |
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Vita:
Rotsch studierte in Dresden Luftfahrzeugbau und wurde wahrscheinlich bereits Anfang der 1950er-Jahre vom sowjetischen Nachrichtendienst angeworben. 1954 gelangte er als angeblicher Flüchtling in die Bundesrepublik und arbeitete bei
verschiedenen Unternehmen der Luftfahrtindustrie und schließlich bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Dort stieg er zum Abteilungsleiter auf und erhielt Zugang zu sensiblen militärischen und technischen Unterlagen. Über Jahrzehnte lieferte er
dem KGB technische und militärische Informationen aus der westdeutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, darunter Material aus dem Umfeld des Kampfflugzeugs „Tornado“. Zur Nachrichtenübermittlung nutzte er unter anderem Geheimtinte, tote Briefkästen
und Kontakte zu sowjetischen Führungsoffizieren. Interne KGB-Unterlagen, die der sowjetische Überläufer Wladimir Wetrow ab 1981 an den französischen Geheimdienst weitergab, ließen auf eine hochrangige Quelle bei MBB schließen. Anschließende
Ermittlungen führten 1984 zu Rotschs Enttarnung und Festnahme. 1986 wurde er wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. 1987 wurde er im Rahmen eines Agentenaustauschs in die DDR entlassen, kehrte
jedoch bereits gut drei Monate später als Rentner in die Bundesrepublik und in sein Haus bei München zurück. Siehe auch: Wladimir Wetrow.
Einordnung:
Einer der bedeutendsten Fälle sowjetischer Industriespionage in der Bundesrepublik. Rotsch verfügte über jahrzehntelangen Zugang zu sensiblen Luftfahrt- und Rüstungsprojekten; der konkrete militärische Nutzen seiner Lieferungen ist jedoch nur teilweise nachvollziehbar.
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| Rupp, Rainer (* 1945) | „Mosel“, später „Topas“ | 1968–1989 |
| Einsatzland: Belgien (Brüssel) | Organisation/Dienst: NATO; Agent der HV A des MfS | |
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Vita:
Rupp wurde 1968 während seines Studiums in Mainz von der DDR-Auslandsaufklärung angeworben. 1969 ging er nach Brüssel und bereitete dort seinen Zugang zur NATO vor. 1977 erhielt er eine Stelle im Internationalen Stab der NATO und gelangte zunehmend an hoch geheime militärische und strategische Unterlagen. Zunächst unter dem Decknamen „Mosel“, später als „Topas“, lieferte er der HV A über Jahre NATO-Dokumente bis zur höchsten Geheimhaltungsstufe „Cosmic Top Secret“. Zu seinen bedeutendsten Lieferungen gehörte die Dokumentenserie MC 161, in der die NATO jährlich ihre Erkenntnisse über die militärischen Fähigkeiten des Warschauer Pakts zusammenfasste und die als Grundlage für die eigene Verteidigungsplanung diente. Für die heimliche Aufnahme von Unterlagen verwendete Rupp unter anderem eine Kleinstbildkamera, mit der er sogar in einer beaufsichtigten NATO-Registratur geheime Dokumente fotografierte. Auch seine Ehefrau Ann-Christine unterstützte zeitweise die Spionagetätigkeit. Nach dem Ende der DDR wurde Rupp durch die Auswertung von MfS-Unterlagen enttarnt und 1993 festgenommen. 1994 wurde er wegen Landesverrats zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 2000 vorzeitig entlassen.
Einordnung:
Eine der wertvollsten Quellen der DDR-Auslandsaufklärung überhaupt. Rupp verschaffte der HV A und damit auch der sowjetischen Seite außergewöhnlich tiefen Einblick in militärische Planungen und Fähigkeiten der NATO. Zwischen 1977 und 1989 bewertete die HV A allein 281 seiner Informationen mit der höchsten Wertstufe „sehr wertvoll“.
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| Sorge, Richard (* 1895; † 1944) | „Ramsay“ | 1930–1941 |
| Einsatzland: China; Japan | Organisation/Dienst: Sowjetischer Militärnachrichtendienst (GRU) | |
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Vita:
Sorge war deutscher Journalist und seit den 1920er-Jahren für sowjetische Nachrichtendienste tätig. 1930 wurde er nach China entsandt, 1933 ging er nach Japan und baute dort unter dem Decknamen „Ramsay“ ein Agentennetz auf. Als Korrespondent deutscher Zeitungen gewann er das Vertrauen der deutschen Botschaft in Tokio und besonders des späteren Botschafters Eugen Ott. Zur Tarnung trat Sorge 1934 sogar der NSDAP bei und erhielt Zugang zu vertraulichen politischen und militärischen Informationen. 1941 berichtete er Moskau über den bevorstehenden deutschen Angriff auf die Sowjetunion; Stalin misstraute jedoch diesen und ähnlichen Warnungen. Von besonderer Bedeutung waren Sorges Informationen, dass Japan die Sowjetunion vorerst nicht angreifen werde. Diese Erkenntnisse trugen dazu bei, sowjetische Truppen aus Fernost für den Kampf gegen Deutschland verfügbar zu machen. Im Oktober 1941 wurde Sorge von der japanischen Polizei verhaftet, 1943 zum Tode verurteilt und am 7. November 1944 in Tokio hingerichtet.
Einordnung:
Einer der bedeutendsten Spione des 20. Jahrhunderts. Sorge verfügte über außergewöhnlichen Zugang zur deutschen Botschaft und zur japanischen Politik. Besonders seine Informationen über Japans strategische Absichten waren für die Sowjetunion von großer Bedeutung; wie entscheidend sie allein für die Verlegung sowjetischer Truppen und die Schlacht um Moskau waren, ist historisch allerdings umstritten.
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| Squillacote, Theresa Marie (* 1957) | „Ruth“; auch „Schwan“ | 1980–1997 |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: US-Regierung/Pentagon; Agentin der HV A des MfS | |
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Vita:
Squillacote wurde 1980 über ihren späteren Ehemann Kurt Stand für die DDR-Auslandsaufklärung angeworben. Die HV A bildete sie unter anderem im Erkennen von Überwachung, im Umgang mit Geheimcodes und im Fotografieren von Dokumenten aus und unterstützte ihre langfristige Platzierung im amerikanischen Regierungsapparat. Squillacote studierte Jura und arbeitete später unter anderem für den Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses und das US-Verteidigungsministerium, wo sie Zugang zu geheimen Informationen erhielt. Nach dem Zusammenbruch der DDR blieb sie mit ihrem früheren Führungsoffizier Lothar Ziemer in Verbindung, der inzwischen Kontakte zum KGB unterhielt. 1996 täuschte das FBI ihr vor, ein südafrikanischer Nachrichtendienst wolle mit ihr zusammenarbeiten. Squillacote ging darauf ein und übergab 1997 vier geheime Dokumente aus dem Pentagon an einen verdeckten FBI-Agenten. Im Oktober 1997 wurde sie gemeinsam mit Kurt Stand festgenommen. 1998 wurde sie wegen Spionage und weiterer Delikte verurteilt und 1999 zu 21 Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.
Einordnung:
Ein ungewöhnlicher Langzeitfall der HV A: Squillacote wurde früh angeworben und gezielt auf eine Position mit Zugang zu sensiblen Regierungsinformationen vorbereitet. Wie viel verwertbares geheimes Material sie der DDR tatsächlich lieferte, ist allerdings unklar. Die geheimen Pentagon-Dokumente, die zu ihrer Verurteilung beitrugen, übergab sie erst nach dem Ende der DDR im Rahmen einer vom FBI inszenierten Geheimdienstoperation.
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| Stand, Kurt Alan (* 1954) | „Junior“; auch „Ken“ | 1973–1997 |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: Gewerkschaftsfunktionär; Agent der HV A des MfS | |
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Vita:
Stand wurde 1954 in New York als Sohn deutscher Emigranten geboren. Sein Vater unterhielt Verbindungen zur DDR und brachte ihn als jungen Mann mit dem HV-A-Offizier Lothar Ziemer zusammen. 1973 wurde für Stand unter dem Decknamen „Junior“ ein Agentenvorgang angelegt. Seine wichtigste Aufgabe bestand weniger in der Beschaffung eigener Geheimunterlagen als in der Anwerbung und Betreuung weiterer Quellen. 1976 gewann er seinen Studienfreund James Clark für die DDR-Auslandsaufklärung, um 1980 auch seine spätere Ehefrau Theresa Squillacote. Die HV A bildete die Gruppe in konspirativen Techniken aus und finanzierte Reisen zu Treffen mit ihren Führungsoffizieren. Nach dem Ende der DDR blieb Stand mit Ziemer in Verbindung und wurde auch in Kontakte zum sowjetischen KGB einbezogen. 1997 wurde er gemeinsam mit Squillacote festgenommen. 1998 wurde er wegen Spionagedelikten verurteilt und 1999 zu 17 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Einordnung:
Stand war vor allem als Anwerber und Verbindungsmann bedeutsam. Sein eigener Zugang zu geheimen Regierungsinformationen war begrenzt, doch mit James Clark und Theresa Squillacote gewann er zwei Quellen, die später Zugang zu sicherheitsrelevanten beziehungsweise geheimen Unterlagen erhielten.
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| Stiller, Werner (* 1947; † 2016) | „Machete“ (BND); spätere Identität: Klaus-Peter Fischer | 1976–1979 |
| Einsatzland: DDR; Bundesrepublik Deutschland | Organisation/Dienst: HV A des MfS; als Doppelagent für den BND | |
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Vita:
Stiller war Diplom-Physiker und arbeitete seit 1972 als Offizier der Hauptverwaltung A im Bereich Wissenschaft und Technik. 1976 nahm er Verbindung zum BND auf und lieferte diesem heimlich Informationen über die DDR-Auslandsaufklärung. Im Januar 1979 floh er nach West-Berlin und nahm umfangreiche geheime Unterlagen mit, darunter Informationen über Mitarbeiter, Quellen und Strukturen der HV A. Seine Aussagen führten zur Enttarnung zahlreicher DDR-Agenten und fügten der HV A erheblichen Schaden zu. Bei seinen Vernehmungen identifizierte Stiller außerdem Markus Wolf auf einem Foto, wodurch der bis dahin im Westen kaum bekannte Chef der DDR-Auslandsaufklärung erstmals öffentlich ein Gesicht bekam. Nach seiner Flucht erhielt Stiller die neue Identität Klaus-Peter Fischer, studierte in den USA und arbeitete später als Börsenmakler und Investmentbanker. Er starb 2016 in Budapest.
Einordnung:
Einer der folgenreichsten Überläufer aus dem DDR-Nachrichtendienst. Durch seine Insiderkenntnisse und die mitgenommenen Unterlagen ermöglichte Stiller dem BND außergewöhnlich tiefe Einblicke in Personal, Arbeitsweise und Quellen der HV A. Seine Flucht war für das MfS ein schwerer geheimdienstlicher Rückschlag.
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| Walker, John Anthony (* 1937; † 2014) | 1967–1985 | |
| Einsatzland: USA | Organisation/Dienst: U.S. Navy; Agent des KGB | |
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Vita:
Walker war Kommunikationsoffizier der U.S. Navy und hatte Zugang zu hoch geheimen kryptografischen Unterlagen. 1967 ging er aus finanziellen Motiven zur sowjetischen Botschaft in Washington und bot dem KGB geheimes Material an, mit dessen Hilfe verschlüsselte Nachrichten der US-Marine gelesen werden konnten. Über mehr als 17 Jahre lieferte er kryptografische Schlüssel, technische Unterlagen und weitere geheime Informationen. Nach seinem Ausscheiden aus der Navy 1976 setzte er die Spionage fort und baute einen eigenen Agentenring auf. Er warb seinen Freund Jerry Whitworth, seinen Bruder Arthur und seinen Sohn Michael an; auch eine seiner Töchter versuchte er erfolglos zu gewinnen. Insgesamt sollen durch den Ring mindestens eine Million geheime Nachrichten der US-Marine kompromittiert worden sein. 1984 informierte Walkers frühere Ehefrau Barbara das FBI über seine Tätigkeit. Nach längerer Überwachung wurde Walker im Mai 1985 dabei beobachtet, wie er einen toten Briefkasten benutzte, und anschließend festgenommen. Er bekannte sich schuldig und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. 2014 starb er im Gefängnis.
Einordnung:
Einer der schwerwiegendsten Spionagefälle in der Geschichte der U.S. Navy. Durch Walkers langjährigen Zugang zu amerikanischen Verschlüsselungsverfahren konnte die Sowjetunion einen erheblichen Teil des geheimen Marinefunkverkehrs auswerten. Besonders außergewöhnlich war der von ihm aufgebaute Agentenring aus Freunden und Familienangehörigen.
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| Wetrow, Wladimir Ippolitowitsch (* 1932; † 1985) | „Farewell“ | 1981–1982 |
| Einsatzland: Sowjetunion (Moskau) | Organisation/Dienst: KGB; als Agent für den französischen DST | |
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Vita:
Wetrow war Ingenieur und Offizier des KGB im Bereich der wissenschaftlich-technischen Auslandsaufklärung. Nach früheren Auslandseinsätzen unter anderem in Frankreich arbeitete er in Moskau in einer Position, die ihm umfassenden Einblick in die sowjetische Industriespionage verschaffte. 1981 bot er dem französischen Inlandsnachrichtendienst DST seine Mitarbeit an und erhielt den Decknamen „Farewell“. Innerhalb eines Jahres übergab er rund 4.000 interne KGB-Dokumente. Sie enthielten detaillierte Angaben über die sogenannte Linie X, mit der die Sowjetunion systematisch westliche Technologien beschaffte, sowie über zahlreiche beteiligte KGB-Offiziere und Quellen. Das Material ermöglichte westlichen Nachrichtendiensten umfangreiche Gegenmaßnahmen und führte zur Enttarnung zahlreicher sowjetischer Aktivitäten. 1982 wurde Wetrow nach einem Tötungsdelikt festgenommen, zunächst jedoch ohne dass seine Spionagetätigkeit bekannt war. Später wurde sein Verrat entdeckt und Wetrow 1985 wegen Spionage hingerichtet.
Einordnung:
Eine der bedeutendsten westlichen Quellen innerhalb des KGB. Das „Farewell-Dossier“ legte das Ausmaß der sowjetischen Technologie- und Industriespionage offen und führte zur Enttarnung beziehungsweise Ausweisung zahlreicher KGB-Offiziere und Quellen. Seine Informationen spielten auch bei westdeutschen Ermittlungen gegen sowjetische Industriespione eine wichtige Rolle. Siehe auch: Manfred Rotsch.
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| Wienand, Karl (* 1926; † 2011) | „Streit“ | 1970–1989 |
| Einsatzland: Bundesrepublik Deutschland (Bonn) | Organisation/Dienst: SPD/Bundestag; Agent der HV A des MfS | |
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Vita:
Wienand gehörte von 1953 bis 1974 dem Deutschen Bundestag an und war als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion ein enger Mitarbeiter Herbert Wehners. Ab 1970 stand er in regelmäßigem Kontakt mit dem HV-A-Offizier Alfred Völkel und lieferte politische Interna und Einschätzungen, insbesondere über die SPD, die Ostpolitik und innerparteiliche Kräfteverhältnisse. Die rekonstruierten HV-A-Daten ordnen der Quelle „Streit“ zwischen 1970 und 1989 insgesamt 483 Informationen zu, darunter 47 als „sehr wertvoll“ bewertete. Wienand behauptete später, seine DDR-Kontakte hätten als politischer Gesprächskanal im Umfeld Herbert Wehners gedient. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah jedoch für die Jahre 1976 bis 1989 eine geheimdienstliche Agententätigkeit als erwiesen an und verurteilte ihn 1996 zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft sowie zur Rückzahlung von einer Million D-Mark. Das Urteil wurde 1997 rechtskräftig; 1999 wurde Wienand aus gesundheitlichen Gründen begnadigt.
Einordnung:
Eine hochrangige politische Quelle der DDR-Auslandsaufklärung. Wienands Wert lag weniger in militärischen Geheimnissen als in seinen weitreichenden Kenntnissen der SPD und der Bonner Politik. Die Einordnung seiner frühen DDR-Kontakte ist teilweise umstritten; seine spätere Tätigkeit für die HV A wurde dagegen rechtskräftig festgestellt.
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| Yıldırım, Hüseyin (* 1928) | „Blitz“ | 1980–1988 |
| Einsatzland: West-Berlin; USA | Organisation/Dienst: HV A des MfS | |
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Vita:
Yıldırım war ein türkischer Kfz-Mechaniker, der in West-Berlin in einer Werkstatt der U.S. Army arbeitete und sich dem MfS als Informant anbot. 1980 wurde er unter dem Decknamen „Blitz“ als inoffizieller Mitarbeiter registriert. Er gewann den US-Nachrichtendienstsoldaten James W. Hall III für die DDR-Auslandsaufklärung und fungierte anschließend als Verbindungsmann, Kurier und Zahlmeister. Hall übergab ihm streng geheime Unterlagen, die Yıldırım an die HV A weiterleitete; im Gegenzug überbrachte er Zahlungen an Hall. 1988 wurde Yıldırım in den USA festgenommen und 1989 wegen Verschwörung zur Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt. 2003 wurde er zur weiteren Haftverbüßung in die Türkei überstellt.
Einordnung:
Eine wichtige operative Figur im Agentenring um James Hall. Yıldırıms Bedeutung lag weniger im eigenen Zugang zu Geheimunterlagen als in seiner Rolle als Anwerber und Verbindungsmann zwischen Hall und der DDR-Auslandsaufklärung. Siehe auch: James W. Hall III.
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Zeitleiste der Spionagetätigkeit
Zuordnung nach der Seite, für die tatsächlich spioniert wurde. Bei ungefähren oder unterbrochenen Zeiträumen dient die Darstellung der zeitlichen Orientierung.
Für westliche Dienste
Brauns, Erich und Margarete
Brauns, Erich und Margarete
Keckert, Alfred
Keckert, Alfred
Penkowski, Oleg Wladimirowitsch
Penkowski, Oleg Wladimirowitsch
Poljakow, Dmitri Fjodorowitsch
Poljakow, Dmitri Fjodorowitsch
Gordijewski, Oleg Antonowitsch
Gordijewski, Oleg Antonowitsch
Stiller, Werner
Stiller, Werner
Wetrow, Wladimir Ippolitowitsch
Wetrow, Wladimir Ippolitowitsch
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
Für Ostblock-Dienste
Sorge, Richard
Sorge, Richard
Fuchs, Klaus
Fuchs, Klaus
Fischer, William Genrichowitsch
Fischer, William Genrichowitsch
Clemens, Johannes „Hans“
Clemens, Johannes „Hans“
Guillaume, Günter
Guillaume, Günter
Blake, George
Blake, George
Felfe, Heinz
Felfe, Heinz
Rotsch, Manfred
Rotsch, Manfred
Kurras, Karl-Heinz
Kurras, Karl-Heinz
Porst, Hannsheinz
Porst, Hannsheinz
Lutze, Lothar-Erwin
Lutze, Lothar-Erwin
Walker, John Anthony
Walker, John Anthony
Gast, Gabriele
Gast, Gabriele
Rupp, Rainer
Rupp, Rainer
Broszey, Christel
Broszey, Christel
Wienand, Karl
Wienand, Karl
Stand, Kurt Alan
Stand, Kurt Alan
Clark, James Michael
Clark, James Michael
Hanssen, Robert Philip
Hanssen, Robert Philip
Squillacote, Theresa Marie
Squillacote, Theresa Marie
Yıldırım, Hüseyin
Yıldırım, Hüseyin
Kuron, Klaus Eduard
Kuron, Klaus Eduard
Hall, James W. III
Hall, James W. III
Carney, Jeffrey Martin
Carney, Jeffrey Martin
Ames, Aldrich Hazen
Ames, Aldrich Hazen
Sonderfälle
John, Otto
John, Otto
Mauss, Werner
Mauss, Werner
Ohnesorge, Bernd Ingo Alexander
Ohnesorge, Bernd Ingo Alexander
Westliche Dienste
Ostblock-Dienste
Sonderfälle